WS 2005/2006                          Preuß Texterschließung              Text 6: model answer

Die Welt Orwells ist eine Welt, die eine starke anfängliche Anziehungskraft auf die Jugend [auf junge Leute] ausüben könnte. Sie (= Orwells Welt) hat einen auffallenden anarchischen (Wesens)Zug: das völlige  Fehlen von Gesetzen. [etwas freier auch: Sie trägt auffallend anarchi(sti)sche Züge - es herrscht vollständige Gesetzlosigkeit] Sie (= die Welt Orwells) behandelt die Vergangenheit als Leere [als Vakuum], die [das] es mit allen möglichen Mythen, die die Gegenwart zu ersinnen beliebt, zu füllen [auszufüllen] gilt. Sie (= die Welt Orwells) stellt als eine zu verachtende Gruppe eine riesige Menschengruppe ins Abseits [etabliert ... im Abseits], eine Gruppe, die sich alten Traditionen hingibt, die   reaktionär und konservativ, im  Grunde eben (einfach) alt ist. Oldspeak wird abgelehnt als eine Sprache, die keine Kraft besitzt, jene ewige Gegenwart auszudrücken, die die Domäne der Jugend ebenso wie die der Partei ist. Newspeak hat die lakonische [= knappgefasste, "kurzangebundene"] Stoßkraft [Schlagkraft, auch: den lakonischen (etc.) Schwung] der Sprache der Jugend [des Jugendidioms]. Das Programm, wenn auch nicht die letztlich eintretende Wirk­lichkeit (?), fände seine aktivsten Anhänger anfänglich unter der Jugend [unter den jungen Leuten], die [alle] nur zu gerne bereit wäre[n], die Vergangenheit zu zerstören, eben weil es [sie] die Vergangenheit ist und die ebenso bereit wäre[n], die Ingsoc Revolution anzunehmen [zu übernehmen], so wie sie bereits das Mythologiegemisch aus Mao, Che Guevara, Castro und sogar Bakunin angenom­men hat [haben]. Was zählt [worauf es ankommt], ist die Aussicht auf Revolution, bei der der Ge­danke an die Liquidierung [Beseitigung] des Überholten und die Vorstellung des mit dem Neubeginn ver­bundenen Ruhms mitschwingt.  [ ...  mit seiner Konnotation von Liquidierung und ...., ....mit der Assoziation von ....,  .... die man assoziiert mit ...] Was nach der   Revolution kommt, steht auf einem anderen Blatt [ist etwas anderes].

Wenn andererseits das Neue sogar der unschuldigen und unwissenden Jugend als irgendwie verdächtig erscheint, kann es (= das Neue) nur im Lichte [an Hand] von Standards [Wertmaßstäben, Normen] genau überprüft werden, die aus der Vergangenheit abgeleitet worden sind. Ich meine natürlich jene ausgesiebten Goldkörnchen ["Nuggets", jene herausgepickten/herausgeklaubten/handverlesenen/Fundstücke,(auch): Perlen] die zusammen(genommen), das ergeben, was wir etwas ungenau eine Tradition nennen; damit ist eine Sicht der Menschheit gemeint, die andere Werte preist [rühmt] als die des rein tierischen Überlebens [Existierens, Vegetierens]. Diese Sicht ist leider theozentrisch [dies ist leider eine Sicht, bei der Gott im Mittelpunkt steht] und (sie) beruht auf einer Annahme, die man nicht beweisen kann [auf einer unbeweisbaren Annahme] - nämlich, dass Gott den Menschen geschaffen [erschaffen] hat, um ihn zu (um)hegen [zu lieben] als das kostbarste seiner Geschöpfe, da er (= der Mensch) ihm (= Gott) am ähnlichsten ist. Nicht die Summe [Gesamtheit, Gesamtmenge] der Menschheit kommt an den göttlichen Zustand heran, sondern der einzelne Mensch. Gott ist eine Person (?), existiert nur einmal und ist abgegrenzt und das gilt genauso für einen Mann oder eine Frau. Gott ist   frei und das gilt auch für den Menschen,  aber die Freiheit des Menschen beginnt erst dann zu wirken [kann sich erst dann entfalten], wenn er das   Wesen der Gabe [des Geschenks] versteht.

Bei der Freiheit des Menschen handelt es sich um die älteste aller Streitfragen: sie belebt immer noch studentische Versammlungen, obwohl über diese Frage oft ohne genaue Definition, theologisches Wissen oder metaphysisches Verständnis diskutiert wird. Augustinus und Pelagius beziehen gegensätzliche Standpunkte in der Frage, ob der Mensch frei sei oder nicht; (die) Calvinisten und (die) Katholiken überschreien sich gegenseitig [brüllen sich gegenseitig nieder]; sogar in der Hölle Miltons führen die teuflischen Prinzen Streitgespräche über den freien Willen und die Prädestination [Vorherbestimmung]. Die Experten in Sachen Prädestination beteuern, dass, da Gott allwissend sei, er alles, was ein Mensch je tun könne, wisse, dass jede zukünftige Handlung eines Menschen schon für ihn vorherbestimmt sei und dass er deshalb nicht frei sein könne. Die Gegenseite löst dieses Problem, indem sie erklärt [darlegt], dass Gott das Geschenk des freien Willens dadurch „beweise", dass er ganz bewusst darauf verzichte [sich weigere], die Zukunft vorherzusehen. Wenn ein Mensch eine Handlung begehe, die Gott sich geweigert habe vorherzusehen, dann schalte Gott (einfach) die Erinnerung an dieses Vorauswissen ein. Gott sei, mit anderen Worten, per definitionem [definitionsgemäß] allwissend, aber er verzichte bewusst darauf, sich diesen Vorteil zunutze zu machen [wolle  sich ... nicht zunutze machen].

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