WS
2008/2009
Preuß Texterschließung
Text 5: model answer
Sturheit, den Göttern sei Dank dafür! [ ~ das hohe Lied der Sturheit/ ~ ein Loblied auf .../ ~gepriesen sei ..]
Vielleicht
lassen wir uns verhätscheln, zu eng geführt, wenn auch gut gemeint, in einem
Überangebot an [von] Romanliteratur. Herausgeber können sehr hilfreich sein,
aber vielleicht manchmal (auch) zu sehr dazu entschlossen, zu verhindern, dass
ein Leser vom rechten Weg abkommt. In dieser strahlenden neuen Welt der
Postmoderne und des Dekonstruktivismus laufen wir, so scheint mir, Gefahr, dass
etwas verloren geht: ein hartnäckiger
[starrsinniger/halsstarriger/eigensinniger] Individualismus, fast (schon) eine
Art von Sturheit [Bockigkeit/Verbocktheit/Verbohrtheit/Quertreiberei etc.],.
Der negative Beigeschmack des Egos [~ der starke Beigeschmack von Eigenlob: vgl.
„Eigenlob stinkt“], wenn man Zyniker ist, obwohl ich es lieber eine (ins)geheime
Überzeugung nenne – die schwieriger denn je zuvor in einer überbevölkerten
Welt aufrechtzuerhalten ist – von der eigenen Einzigartigkeit. Der [ein]
Verdacht [die/eine Vermutung], dass individuelle Sprache, ihr persönlich (geprägter)
Gebrauch nicht immer auf das Wiederaufwärmen alter [oller] Kammellen anderer
reduziert werden kann [das Wiederkäuen von ...], (ferner die Vermutung) dass es
gut ist, dass einige Leute die Natur und die Geschichte
(das menschliche Schicksal) in der Tat anders „sehen“; und auch dass
der geheime Weg [Pfad] [,der] durch den schamanenhaften Zauber des erzählerischen
Schaffens [Schöpfungsaktes] [führt,] irgendwie immer von einem einzelnen
beschritten wird. [auch: mit Hilfe des den Schamanen eigenen Zaubers ..]
Ulverton
hilft mir Gott sei Dank dabei, meine These zu untermauern. Dieses Buch ist
der interessanteste Erstlingsroman, den ich in den letzten (paar) Jahren gelesen
habe. Rein äußerlich betrachtet wird der Roman, der in einem Dorf in der
(sanften) Hügellandschaft von Wessex [in den Wessex Downs] spielt, in einem
Dutzend sehr abwechslungsreicher Berichte erzählt (beginnend im England
Cromwells und endend in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts). Was ich bei
dieser langen, romanhaften [fiktionalen] Abfolge [Folge] von Episoden aus
unserer ländlichen und bäuerlichen Vergangenheit
bemerkenswert fand, war das Geschick ihrer Darstellung und ihre Lebendigkeit.
Ein häufiges Symbol, die wilde Klematis, taucht nicht ohne Grund so oft auf:
Thorpes Charaktere [Personen] und Ereignisse greifen ständig ineinander, schlängeln
sich (geradezu) durch die Generationen. Diese gegenseitige Verknüpfung ist
mitverantwortlich für die volle und dichte Struktur des Buches; und es verleiht
ihm das beim Lesen entstehende Gefühl
sich kreuzender Rhythmen – die Langsamkeit der Zeit und ihre Kurzlebigkeit und
Vergänglichkeit.
Wir sind
nicht an die tiefgründigen Fragen, die Thorpe aufwirft und berührt, gewöhnt
und auch nicht daran, dass jemand das komplexe [vielschichtige] Wesen der ländlichen
Vergangenheit unseres Landes derart gründlich erfasst und dadurch auch das
Wesen jeder Existenz schlechthin. Thorpe lebt in Frankreich und etwas von dem
literarischen Sachverstand [Geschick, Können] jenes Landes, wenn es darum geht,
sich die Vergangenheit vorzustellen und ihr nahezukommen, durchzieht sein Werk;
dazu kommt noch sein Geschick beim Aufdecken der zahllosen Methoden, die wir
Engländer gefunden haben, um unsere widersprüchliche Natur zu kaschieren und
(zu) verbergen. Er scheint gleichermaßen mit dem Dialekt, der Sprache der
Bauern und (was besonders wichtig ist) dem „Klang“ der Zeit vertraut [er
kennt sich aus mit ..]. Er beweist [verfügt über/legt an den Tag] ein wahrhaft
großes Geschick mit (den) verschiedenen Tonlagen, was vielleicht für jeden
Romanschriftsteller die größte Herausforderung darstellt. Denn dies erfordert
nicht nur Geschick dabei, Stimmen nachzuahmen, sondern auch den Kniff, es im
gedruckten Text zum Ausdruck zu bringen. Die letzte Episode in diesem Roman ist
das Pseudodrehbuch für einen Dokumentarfilm über das Dorf. Es ist lustig und
zugleich bitterböse, wie ein grässlicher Grundstücksmakler [Bauunternehmer],
voll auf der Linie von Margaret Thatcher, auftaucht und versucht sich gegen die
alltägliche Bürokratie ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen. Die meisten
der heutigen Dorfbewohner drücken sich in einer Sprache aus, die so müde und
heruntergekommen ist, dass dies schon für sich allein genommen erklärt, warum
sich England heutzutage selbst versenkt [seinen eigenen Untergang herbeigeführt]
zu haben scheint. Wenn man seine Sprache verliert, läuft man große Gefahr,
sich selbst zu verlieren.
bloody-minded:
A) deliberately making things difficult for other
people (
~ awkward) [DCE4, 2003]
B) (BrE, informal) behaving in a way that makes things difficult for other people;
refusing to be helpful [ALD7, 2005]
C)
(BrE,
informal) deliberately uncooperative [The New
Oxford Dictionary of English, 1998]
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