WS 2008/2009                   Preuß Texterschließung              Text 12: model answer

(Schon) Seit (der) Mitte des 19. Jahrhunderts dient Bildung den zahlreichen Hausgöttern der amerikanischen Gesellschaft – wie Bürgersinn [„staatsbürgerliches Verhalten“], Moral, Mobilität, Anpassung [Assimilierung]. Im 20. Jahrhundert haben jene [auch: diese] Götter bisweilen ihr Aussehen geändert und so zeigen sich jetzt in Form von Gerechtigkeit und Gleichheit. Dennoch ist die säkulare [weltliche] Religion der Bildung sowohl ein (verlängerter) Arm des Staates als auch ein bedeutsamer (Bestand)Teil der allgemeinen Kultur [Allgemeinkultur] geblieben. Die Ansprüche [die Anforderungen], die die Amerikaner an die Bildung [das Bildungswesen] gestellt haben und ihr Glauben an deren Wirksamkeit lassen die religiöse Analogie [Parallele] nicht allzu weithergeholt oder trivial erscheinen. Da eine allgemeine oder vom Staat unterstützte Religion fehlte, traten die Schulen an die Stelle der Kirche als Kontrollinstanz und als Institutionen mit deren Hilfe die Bevölkerung versuchte ihre ganz persönlichen [unterschiedlich definierten/ihre jeweiligen] Heilswege zu beschreiten. [ihr .... Heil zu erlangen/ihre Erlösung zu finden] In der Tat macht der emotionale und (manchmal) sogar missionarische [~ „heilsbringerische“] Ton [Tonfall, Unterton], den diejenigen anschlagen, die den Entwicklungen auf dem Schulsektor kritisch gegenüberstehen, die Sprache der Schulreform sehr viel weniger beständig als die (Sprache), die andere Institutionen auszeichnet [anderen ... anhaftet] und dies lässt die Analogie [Parallele] glaubwürdig erscheinen [verleiht der Analogie Glaubwürdigkeit]. Als Institutionen mit kirchlichen [kirchenähnlichen] Rollen haben die Schulen danach getrachtet [sich zum Ziel gesetzt] die Nation zu einen und zu integrieren [integrierend zu (ver)einen] und das Verhalten und die Überzeugungen ihrer vielschichtigen Bevölkerung in geregelte und gesellschaftlich akzeptable Bahnen zu lenken. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert haben nur wenige die logische Konsequenz, die sich aus den kirchlichen [kirchenähnlichen] Funktionen der Schulen ergibt, in Frage gestellt [hinterfragt] – nämlich, dass alle (Bürger) ihrem Unterricht ausgesetzt werden sollten; und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es soweit, dass dieser Überzeugung durch Gesetze Nachdruck verliehen wurde, die den Schulbesuch forderten und durchsetzten.

Gleichzeitig jedoch hat sich die amerikanische Schule zu einer zutiefst [ihrem Wesen nach] liberalen [offenen] Institution [Einrichtung] entwickelt. Sie verkörpert den traditionellen Glauben an die jedem offenstehende Chance, sein Glück zu machen und die Möglichkeit jedes einzelnen, sich innerhalb weitgefasster gesellschaftlicher Grenzen selbst zu verwirklichen [und (sie verkörpert) für jeden einzelnen die Möglichkeit der Selbstverwirklichung]. Und (die) Schule verkörpert [bedeutet/steht für] das liberale* Vertrauen auf [die liberale Zuversicht in] die Möglichkeit, dass der Einzelne sich weiterbildet [auch: sein Los/seine Stellung verbessert] und dass die Gesellschaft sich fortentwickelt [Fortschritte macht/es zu gesellschaftlichem Fortschritt kommt etc.]{* verkörpert für liberal eingestellte Menschen/die Liberalen das Vertrauen auf ...} Der Liberalismus ist immer von der Annahme ausgegangen, dass die Individuen [jeder Einzelne] und die Gruppen, denen sie [er] angehören [angehört] unterschiedliche Interessen hätten [hätte] und dass man ihre [seine] Bedürfnisse befriedig könn(t)e [dass man ... entgegenkommen/Rechnung tragen könn(t)e], oder dass man zumindest darüber verhandeln könn(t)e und zwar durch effektiv agierende [handelnde/arbeitende] Institutionen. Die liberale Tradition des amerikanischen Bildungswesens [auch: der schulischen Ausbildung/Unterweisung/des Unterrichtsprinzips etc.] hat seine religiöse Funktionen auf ganz besondere Weise organisiert [eingerichtet]. Denn, wenn (auch) die Kirche versucht die Kirchgänger [Gläubigen; auch: ihre Anhänger; vielleicht: „ihre Schäfchen“] auf die Herrlichkeit der nächsten Welt [des Jenseits] vorzubereiten und dazu zu bringen, über etwas nachzudenken, das größer ist als sie selbst, blieb das Augenmerk der liberalen Tradition des amerikanischen Bildungswesens stets auf diese (unsere) Welt und der Belohnung menschlichen Bemühens gerichtet. Dies hatte zur Folge [folglich] ist das amerikanische Bildungswesen immer am Scheideweg möglicher Konflikte gestanden - des Konflikts unter den Gruppen, des Konflikts über die Ziele und des Konflikts zwischen der gesellschaftlichen Wirklichkeit und den gesellschaftlichen Idealen.

*“liberal”, a few definitions:
http://www.thefreedictionary.com/liberal

http://www.merriam-webster.com/dictionary/liberal

http://dictionary.reference.com/browse/liberal

http://www.liberalparty.org/JFKLPAcceptance.html

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