WS
2008/2009: Übersetzungs-Klausur + "Pluspunkte"
model answer: first rough draft
TRANSLATION:
Das Wort [der Begriff] „Kultur“ scheint etwas Hohes
[Erhabenes, Höheres], Tiefgründiges [Profundes], Respektheischendes
[Respekteinflößendes, Geachtetes, Angesehenes etc.] zu bedeuten –
etwas, wovor wir uns verneigen. Es [= das Wort] verbindet sich mit [gesellt sich
zu] Natur als einem Standard [als einer Richtschnur, Messlatte etc.] für
die Beurteilung von [für das Urteil über] Menschen und ihre Taten, aber
besitzt sogar noch größere Würde. Es [das Wort, der Begriff] wird fast
nie(mals) abwertend [pejorativ] gebraucht [verwendet], wie (dies bei)
„Gesellschaft“, „Staat“, „Nation“ oder sogar „Zivilisation“ (der
Fall ist), Begriffe, an deren Stelle allmählich (der Begriff) Kultur tritt [auch:
Begriffe, die ersetzt werden durch...] oder für deren Legitimität
[Berechtigung] Kultur bürgt. [deren Legitimität Kultur garantiert]. Kultur
ist [bedeutet] die Einheit der rohen Natur des Menschen und all der Künste und
Wissenschaften*, [auch: die Einheit ...
mit all den Künsten] die er sich auf seinem Wege [in Laufe seiner Entwicklung]
vom Naturzustand zur bürgerlichen Gesellschaft [Zivilgesellschaft] angeeignet
hat. Kultur stellt die verloren gegangene Ganzheit [Ganzheitlichkeit, Einheit]
des ersten Menschen auf einer höheren Ebene [Niveau, Stufe] wieder her, auf der
[wo] sich seine (in ihm schlummernden) Fähigkeiten ohne den Widerspruch
zwischen dem natürlichen Verlangen [den natürlichen Trieben] und den
moralischen Zwängen seines gesellschaftlichen Lebens [seines Lebens in der
Gesellschaft] voll entwickeln [entfalten] können.
„Kultur“ im modernen Sinne (des Wortes) wurde zum
ersten Mal von Immanuel Kant gebraucht [verwendet]; er dachte dabei an Rousseau,
als er es gebrauchte [benutzte] und zwar dachte er besonders daran, was Rousseau
über den Bourgeois sagte. Der Bourgeois ist eigennützig [selbstsüchtig,
egoistisch], aber ohne die Reinheit und Einfachheit des natürlichen Eigennutzes
[Egoismus]. Er schließt Verträge ab [er geht Abmachungen eine, er trifft
Vereinbarungen] in der Hoffnung, dass er die Oberhand über den Vertragspartner
gewinnt [dass er aussticht etc.]. Seine Loyalität [Treue] gegenüber den
anderen und sein Gehorsam gegenüber dem Gesetz [seine Gesetzestreue] gründen
sich auf Gewinnerwartung [sehr frei: darauf, dass er dabei etwas gewinnt,
dass dabei für ihn etwas herausspringt]: „Ehrlich währt am längsten“ (ist
seine Devise). So korrumpiert [untergräbt] er die Moral, deren Wesen darin
besteht, um ihrer selbst willen zu existieren. Der Bourgeois genügt
[befriedigt] keines der beiden Extreme, weder die Natur noch die Moral. Der
moralische Anspruch ist nur [bloß] ein [ein rein] abstraktes Ideal, wenn er
etwas verlangt, das die Natur nicht zu geben vermag. Roher Egoismus [Eigennutz]
wäre falscher [vorgetäuschter, geheuchelter] Moralität vorzuziehen.
Aber welche Beziehung gibt es zwischen Kants und unserer
Verwendung des Wortes? Es scheint, als gäbe es derzeit zwei geläufige [gängige]
Verwendungsformen, die, während sie zwar klar von einander abgegrenzt sind,
doch miteinander verbunden [verknüpft] sind. Erstens ist Kultur fast identisch
[gleichbedeutend] mit Volk oder Nation, (so) wie in (dem Beispiel) „französische
Kultur“, „deutsche Kultur“, „iranische Kultur“ etc. Zweitens bezieht
sich Kultur auf Kunst, Musik, Literatur, Bildungsfernsehen [Bildungsprogramme im
Fernsehen], bestimmte Arten von Filmen – kurzum (auf) alles, was erhebend und
erbaulich ist – also im Gegensatz zum Kommerz steht.
[Die Verbindung besteht darin, dass Kultur auf hohem Niveau [dass Hochkultur] das reiche gesellschaftliche Leben (erst) ermöglicht, das ein Volk ausmacht, also seine Bräuche [Gebräuche, Gewohnheiten], Stile, Geschmäcker [Geschmacksrichtungen, Vorlieben] Feste, Rituale, Götter. Alles dies bindet die einzelnen Individuen in eine verwurzelte Gruppe ein, (in) eine Gemeinschaft, in der sie ihre Gedanken und ihren Willen allgemein äußern, mit dem Volk als moralischer Einheit und dem Individuum [dem Einzelnen] geeint in sich selbst. Eine Kultur (für sich genommen) ist [stellt dar, bedeutet] ein Kunstwerk, das seinen hehren [erhabenen] Ausdruck in den schönen Künsten [auch: bildenden Künsten] findet. Auf der anderen Seite werden in der Kultur (im allgemeinen Sinn) die Individuen [die Einzelnen] durch die Gesamtheit (aller) geformt so wie die Chormitglieder eines griechischen Dramas. Charles de Gaulle [jemand wie C. de G.] oder auch [,um ein anderes Beispiel zu nennen], Alexander Solschenizyn sahen die Vereinigten Staaten als eine bloße Anhäufung von Individuen [Einzelpersonen] an , (als) einen Müll[ablade]platz für den Müll [Abfall], der von wo anders stammte, (und) dem Konsum(ieren) ergeben (war); kurzum keine Kultur.]
*Culture is the unity of man’s brutish nature and all the arts an
sciences ...

PLUSPUNKTE:
1) gist: der rote Faden
[WL 1,12] 2) to shunt:
verschieben, rangieren, auf ein Gleis schieben
[WL
2,29]; 3) cogent:
zwingend, überzeugend [WL
4,47];
4) knack:
Trick, Dreh, Kniff, Talent, Geschick [WL
5,24]; 5) perceptive:
scharfsichtig, scharfsinnig, aufmerksam, [auch]
einfühlsam [WL 6,29];
6) antics:
Eskapaden,
Mätzchen, Possen [WL 7,43]; 7) noose:
Schlinge [WL 9,43]; 8) consensual:
einverständlich, einvernehmlich [WL
10,43];
9) to take sb down a peg or two: jdm einen Dämpfer versetzen [WHEELSPOKE
3,50];
10) to be a dead ringer for:
wie aus dem Gesicht geschnitten sein, ein
Doppelgänger sein, jdm zum Verwechseln ähnlich sehen
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